Blick hinter die Kulissen: Der Wiederanlauf von Volkswagen Nutzfahrzeuge

Nach fünf langen Wochen Shutdown sind auf den Volkswagen Nutzfahrzeuge Fahrstraßen im Werk das Klicken von Metall, der Transport von Bauteilen und die Stimmen der Kolleg*innen endlich wieder zu hören.

Die Werke von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover und an den polnischen Standorten in Poznań und Września nehmen seit 27. April mit reduzierten Kapazitäten schrittweise die Produktion wieder auf.

„Mit den Beschlüssen der Bundes- und Landesregierungen sowie den Lockerungen von Maßnahmen in weiteren europäischen Staaten sind die Rahmenbedingungen geschaffen, die Produktion wieder schrittweise aufnehmen zu können“, sagte Ralf Brandstätter, COO der Marke Volkswagen. Darauf habe sich der Konzern in den vergangenen drei Wochen intensiv vorbereitet. „Neben der Erarbeitung eines umfangreichen Maßnahmenkatalogs zum Gesundheitsschutz der Belegschaft haben wir auch den Wiederaufbau unserer Lieferketten vorangetrieben“, fügte der Manager hinzu. Für die Volkswagen-Werke in Deutschland gelte weiter Kurzarbeit, die Zahl der Kurzarbeitenden werde aber je nach Anlauf schrittweise zurückgefahren.

Der Anlauf erfolge entsprechend der derzeitigen Verfügbarkeit von Teilen, den staatlichen Auflagen in Deutschland und Europa, der Entwicklung in den Vertriebsmärkten und den sich daraus ergebenden Fahrweisen in der Produktion, teilte der Konzern weiter mit. Bernd Osterloh, Vorsitzender des Betriebsrats, sagte: „Aber machen wir uns nichts vor: Anfangs werden die neuen Abläufe bei den Kolleginnen und Kollegen Fragen und Bedenken auslösen. Unter diesen Umständen haben wir noch nie Fahrzeuge entwickelt, gebaut und vertrieben. Daher erwarte ich von den Führungskräften, für die nötige Vertrautheit mit den neuen Prozessen zu sorgen. Zeit für Antworten ist jetzt wichtiger als die täglichen Produktionszahlen.“

100-Punkte-Plan innerhalb des VW-Konzerns

Der Gesundheitsschutz habe dabei absolute Priorität, betonten Josef Baumert, Vorstand für Produktion und Logistik bei VWN, und Andreas Tostmann, Vorstand für Produktion und Logistik der Marke Volkswagen. In den zurückliegenden Wochen sei ein 100-Punkte-Plan erarbeitet worden, der den Wiederanlauf unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes ermöglichen soll. Alle Maßnahmen gelten auch für Fremdfirmen und Lieferanten, die auf den Werksgeländen tätig sind, wie VWN ausdrücklich mitteilte.

Im Rahmen des Wiederanlaufs weitet der Hersteller die Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge auf Basis der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden noch einmal massiv aus. Abläufe in der Produktion würden optimiert, zudem gelten dem Konzern zufolge in allen Bereichen Mindestabstände und erhöhte Hygienestandards. Der Maßnahmenkatalog umfasse unter anderem konkrete Abstands- und Hygieneregeln, Pflicht zu Mund- und Nasenschutz in Bereichen, wo Abstände von 1,5 m nicht möglich sind, kürzere Reinigungsintervalle, Entkoppelungen von Schichten, um Kontakte zu vermeiden, sowie die Aufforderung zur eigenverantwortlichen Temperaturmessung vor der täglichen Arbeitsaufnahme.

Erfahrungen aus China

In der Komponentenfertigung hatte der Konzern bereits seit dem 6. April damit begonnen, die Produktion schrittweise zunächst in seinen Werken in Braunschweig und Kassel, ab 14. April auch in Salzgitter, Chemnitz und Hannover sowie an den polnischen Standorten wieder anzufahren, um zunächst die Versorgung der Fahrzeugproduktion in China sicherzustellen. „Der schrittweise Anlauf unserer Werke war wichtig, um die Belieferung der Übersee-Werke abzusichern“, sagte Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen Group Components. „Nun gilt es, unter Einhaltung umfangreicher Schutzmaßnahmen den gesamten Produktionsverbund anzufahren und markenübergreifend alle fahrzeugproduzierenden Werke mit Komponenten zu versorgen. Für alle unsere Werke gelten dabei die gleich hohen Anforderungen an den Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Beim Wiederanlauf greift das Unternehmen auch auf die Erfahrungen beim Hochlauf seiner Produktionsstätten in China zurück. 32 der dortigen 33 Werke produzieren bereits wieder, wie es heißt. Es sei kein Fall von Covid-19 in der dortigen Belegschaft aufgetreten.

 
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